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So, 14.10.2007
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DAS INTERVIEW DER WOCHE

mit Euro-Chef Martin Kallen. Ein Interview, das der Schweizer erst morgen lesen wird, weil er Zeitungen sonntags verweigert.

"Der Fußball ist noch eine Machowelt"

Die Fußballwelt ist noch eine Männerdomäne. Zum Leidwesen von Euro-Chef Martin Kallen, der sich mehr Frauen wünschen würde.

Als Kind wollte er Schauspieler werden. Am Anfang seines Berufslebens war er Eisenbahner, später Kräuter- und Gewürzexperte. In ferner Zukunft wäre er gerne Uno-Generalsekretär. Aktuell ist er aber der Chef der Euro 2008. Martin Kallen, ein reiselustiger Eidgenosse aus Frutigen im Berner Oberland, der kurioserweise zwei Jahre auf seine erste Dienstreise warten musste, der Heinz Rühmann verehrt und der in einer Machowelt lebt, im Interview mit der

NEUE.

ger bei McCormick, dem weltweiten Markführer für Kräuter und Gewürze. Ist die Euro-Suppe bereits fertig, oder fehlt noch ein Kräutlein?

MARTIN KALLEN: Es fehlen noch ein paar Kräuter. Und das ist gut so, denn wären wir jetzt schon fertig, hätten wir bis zum Beginn der Euro nichts mehr zu tun und einige Zutaten würden vielleicht an Geschmack verlieren.

In Ihrem früheren Job brauchten Sie einen guten Riecher. Haben Sie den auch als Euro-Chef?

KALLEN: Ja, denn ich bin, oft zum Leidwesen der Mitarbeiter, meiner Zeit meist voraus. Ich denke jetzt schon, was nächstes Jahr sein wird. Und dann bin ich eben in den laufenden Operationen zu ungeduldig.

Ein echtes Schweizer Präzisions-Uhrwerk, das nie stehen bleibt?

KALLEN: Stillstand ist für mich ein Fremdwort.

Sie sind Chef einer "Firma", deren Mitarbeiterstand sich beinahe täglich ändert. Gibt's da keine Probleme?

KALLEN: Derzeit haben wir 130 Angestellte, bis Juni 2008 werden es 430 sein. Wir sind fast monatlich eine neue Firma. Das ist natürlich ein gewisser Unruheherd.

Und wie bekommt man den am besten in den Griff?

KALLEN: Miteinander sprechen. Die Mitarbeiter sollen lieber zehn Minuten gemeinsam in der Kantine einen Kaffee trinken und ein Problem besprechen und nicht irgendeine E-Mail schreiben.

Weil wir gerade bei Problemen sind: Was sagen Sie zur momentanen Verfassung der österreichischen Nationalmannschaft?

KALLEN (zögert): Wie soll ich sagen. (Pause) Ich hoffe immer noch auf eine Wende. Es ist ja nicht aller Tage Abend.

Wird's trotz aller österreichischen Troubles die beste Euro aller Zeiten?

KALLEN: Das ist unsere Zielsetzung. Und wir haben in allen Dingen, die wir bisher erledigt haben, schon jetzt ein höheres Niveau, als Portugal es bei der Endrunde 2004 hatte. Entscheidend sind freilich die letzten drei Wochen.

Aber die beste Vorbereitung hilft nichts, wenn das Wetter nicht mitspielt.

KALLEN: Das hat man in Deutschland gesehen. Zwei Tage vor der WM-Eröffnung war es regnerisch und kalt. Und dann war's so, als hätte Franz Beckenbauer einfach den Schalter auf schön gestellt. Aber er ist eben der letzte Kaiser Europas.

Dann sollten wir ihn engagieren.

KALLEN: Den Franz könnte man für vieles brauchen, nicht nur für das Wetter.

Wechseln wir das Thema. Sie sind ein Vielreisender. Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal Ihre Frau gesehen?

KALLEN: Gestern erst. Aber mittlerweile reise ich gar nicht mehr so viel. Auch wenn meine Mitarbeiter etwas anderes behaupten, aber ich bin die Hälfte eines Monats im Büro.

Dabei mussten Sie, darf man gut informierten Kreisen trauen, lange auf Ihre erste Dienstreise bei der UEFA warten.

KALLEN (lacht): Gut recherchiert. Es hat zweieinhalb Jahre gedauert, bis sie mich rausgelassen haben. Dafür führte mich meine erste Reise gleich zur EM 1996 nach England.

Aber nach Ihrem Vorstellungsgespräch 1994 hatten Sie doch andere Erwartungen?

KALLEN: Wieder gut recherchiert. Der damalige UEFA-Marketing-Chef hatte in seinem Aktenkoffer Prospekte von London, Rom Wien und anderen Metropolen. Ich bin nach dem Gespräch nach Hause und habe zu meiner Frau gesagt: Morgen bin ich in Rom, übermorgen in Paris. . .

In Ihrem Beruf reisen Sie nicht nur viel, Sie haben auch viel mit Politikern zu tun. Ein Terrain, auf dem man sich vorsichtig bewegen

muss. Aber das dürfte wohl für einen neutralen Schweizer kein Problem sein.

KALLEN: Man muss sich zwischen den Parteien bewegen, immer in die zweite Reihe setzen und sollte nicht dauernd mit der Faust auf den Tisch schlagen. Da würde man zu viel Porzellan zerschlagen. Denn nichts ist leichter, als uns zu vernichten.

Ein Beispiel bitte.

KALLEN: Nehmen wir den Würstelstand vor dem Happel-Stadion. Der hat kürzlich einen Brief bekommen, mit der Aufforderung, dass er während der Euro zusperren muss, weil er in der Exklusiv-Zone steht. Schuld war sofort die Uefa, dabei war der Brief gar nicht von uns. Jetzt bemühen wir uns um einen Kompromiss, denn immerhin geht es da ja um die Existenz des Betreibers.

Die Welt der Uefa, die Welt des Fußballs - eine Welt, in der Frauen derzeit nur Nebenrollen spielen. Sind Sie auch ein Macho?

KALLEN: Nein, aber der Fußball ist noch eine Machowelt, das würde ich sofort unterschreiben. In gewissen Positionen würden uns Frauen gut tun, weil sie viel effizienter sind. Das muss man als Mann einfach anerkennen.

Apropos Frauen. Sie sollen Ihre Gattin auf dem Bahnhof kennen gelernt haben. Wie kam es dazu?

KALLEN: Ich habe sieben Jahre als Eisenbahner gearbeitet. Und auf einen Bahnhof kommen immer die hübschesten Frauen. Diese Chance habe ich genutzt.

Werden Sie nach der Euro 2008 auch die Chance nützen und noch einmal einen Jobwechsel wagen, oder werden Sie der Uefa für immer erhalten bleiben?

KALLEN: Das entscheide ich erst nach der Euro.

Was wäre denn ein Traumjob für Sie?

KALLEN: Ich wollte immer Uno-Generalsekretär werden, weil ich gerne mit Menschen arbeite, gerne vermittle und gerne reise.

Wir führen gerade ein Sonntags-Interview. Lesen Sie eigentlich gerne Zeitung oder sehen Sie gerne fern?

KALLEN: Ich lese schon Zeitung, nur sonntags nicht. Das ist kein Witz, denn am Sonntag will ich meine Ruhe haben. Und meistens habe ich am Samstag etwas gesagt, über das ich mich dann an meinem freien Tag ärgere.

Und im Fernsehen sagen Sie nie etwas, über das Sie sich ärgern könnten?

KALLEN: Ich schaue nicht mehr viel fern, obwohl ich als Kind immer Schauspieler werden wollte. Ich bin heute noch ein Riesenfan von Heinz Rühmann.

Kommen wir noch einmal zurück zur Euro. Wer wird den Europameister?

KALLEN (wie aus der Pistole geschossen): Deutschland.

Die Antwort kam sehr schnell. Warum sind Sie sich Ihrer Sache so sicher?

KALLEN: Die Deutschen haben zwar keinen absoluten Superstar, aber sie haben 18, 19 sehr gute Spieler. Und in einem Turnier steigern sie sich immer.

Ihr Tipp für die Schweiz und Österreich?

KALLEN: Es wäre toll, wenn beide Teams ins Viertelfinale kommen würden.

Ich befürchte, bevor das eintritt, sind Sie wohl eher Uno-Generalsekretär.

KALLEN: Warten wir die Auslosung am 2. Dezember ab.

INTERVIEW: THOMAS PLAUDER

Martin Kallen arbeitet in einer Machowelt, liebt Heinz Rühmann und ist felsenfest davon überzeugt, das Deutschland 2008 Europameister wird GEPA PICTURES (3)

ZUR PERSON

Martin Kallen Geboren am 22. Juli 1963 in Frutigen im Berner Oberland. Familienstand: Verheiratet. Funktion: Seit 2004 Leitender Geschäftsführer der Euro 2008 SA. Ausbildung: Studium der Ökonomie. Euro-Erfahrung: Martin Kallen war bereits leitender Geschäftsführer der Euro 2004 SA in Portugal.

Der Euro-Chef Martin Kallen im Interview mit NEUERedakteur Thomas Plauder

  
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