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nächster Artikel FRISCH GEWIENERT HELMUT WIENER Miss Erfolg Eine neue Herrschaft des Heidentums ist über uns hereingebrochen. Unerkannt hat es sich eingeschlichen, hat die Vorarlberger Frömmigkeit unterwandert und neuen Göttern, Götzen und goldenen Kälbern den Weg geebnet. Neuartige Heilige und Halbgötter dominieren plötzlich den Glauben der Besiedler unserer Berge und Täler. Und die Dreieinigkeit wird in einer neuen Besetzung präsentiert: Gott Geld, Sankt Auto und Miss Erfolg. Als neue höchste Instanzen haben sie sich breit gemacht und es ist striktes kultisches Tabu, sie in Frage zu stellen. Aber ehrlich gesagt, wer liebt sie nicht: Geld, Auto, Erfolg? Alle lieben sie. Eben. Unter all den Göttern, Heiligen, Halbgöttern und -göttinnen, Mistern und Missen, die im neuen Kult angebetet werden, nimmt die Miss Erfolg eine besondere Stellung ein. Ein zweigeschlechtliches Geschöpf, das zudem Jungfrau und Domina in einem Wesen vereint. Unschuld mimend lässt sie ihre Reize spielen, zeigt verdammt viel Haut und lässt uns nach ihr lechzen. Wir wollen so sein wie sie, schön, erfolgreich und geliebt. Und wir wollen sie haben. Dafür würden wir alles geben. Und wir geben ihr das Wertvollste: Unsere Zeit. In einem mephistophelischen Pakt verspricht sie uns im Gegenzug Überlegenheit, Reichtum und Macht. Einige kleine Vertragsklauseln werden aber von vielen übersehen: Erstens das Streben nach Erfolg hat immer Vorrang vor allem andern. Vor Familie, vor Freunden, vor Gesundheit, vor Sinn, vor Vernunft. Zweitens: Es wird auf das Streben nach Erfolg keine Erfolgsgarantie gewährt. Doch dreht sich bei Heerscharen von Mitbürgern alles um die Miss Erfolg. Sie opfern all ihre Zeit mit Stechuhren und Zeitmanagementseminaren, um unter ihren Peitschenhieben dann und wann einen Blick auf ihren knackigen Hintern zu erheischen. Um nach einem Leben, das eine einzige Jagd nach der Miss Erfolg war, erkennen zu müssen: All dieses Streben war ein Misserfolg.
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